5 Digitale Trends für Unternehmen in 2021

Holger Rohde Aktuelles

Es ist nicht immer einfach neue Trends zu entdecken und dabei zu entscheiden, ob es nur ein Hype ist oder man sich damit dauerhaft beschäftigen sollte. Dennoch ist es immer wieder wichtig sich einen Überblick zu verschaffen, möglicherweise auch nur um sein eigenes Meinungsbild damit abzugleichen. Das sind mögliche digitale Trends für 2021:

Social Media Posts und das Shopping Erlebnis

Im Jahr 2017 führte Instagram die Funktion ein, zu einem Beitrag (Post) auch direkt einen Link zu einem Shop setzen zu können. In 2018 etablierte sich das auch langsam, zunächst jedoch nur in den USA. Inzwischen folgen mehr als 90 % aller Nutzer mindestens einem, oft sogar vielen Unternehmen – direkt oder über Influencer, die verschiedene Themen und Marken präsentieren. Deswegen ist es nur konsequent, die Funktion von Verknüpfung der Beiträge mit der Shopping-Funktion auch großflächig zu nutzen.

Am Ende entstehen sogenannte „Shoppable Post“, die besonders für eine Zielgruppe die sich in sozialen Netzwerken über Produkte informiert, eine große Wirkung zeigt. Man muss keine besondere Fantasie haben, um auch heute schon absehen zu können, wie sich diese Funktion zukünftig in anderen sozialen Netzwerken oder auch in verschiedenen Messengern immer weiter etablieren kann. Das direkte Einkaufserlebnis für Kunden – ohne die soziale Plattform dabei verlassen zu müssen – ist ein großer Vorteil.

Dementsprechend fließt zukünftig zusätzlich ein Umsatz durch Social Media direkt mit in den Absatz ein. Das bedeutet unter Umständen aber auch, sich zuvor explizit mit dieser Art von Verkaufsplattform auseinanderzusetzen zu müssen. Es genügt nicht nur die Ware im Shop-System anzubieten, sondern seine Social Media Strategie zu entwickeln, diese auf den direkten Absatz hin auszurichten und im Idealfall Online-Marketing zu verbinden.

Video-Marketing erfindet sich neu

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte – doch besteht ein Video streng genommen nicht aus ganz vielen aufeinanderfolgenden Bildern? Nach dieser Logik können also Videos ganze Romane ersetzen und klare Mehrwerte bieten.

Unternehmen setzen Videos in vielen Bereichen ein und sprechen dabei oft von einem positiven Investment. Gemeint sind in diesem Falle nicht nur Werbe- oder Produkt-Videos, sondern auch erklärende Videos, welche bei komplexen Produkten den kostspieligen Support entlasten sollen. Tatsächlich suchen Konsumenten schon vor dem Kauf eines Produkts nach entsprechenden Anleitungen, sogenannten „How-to Videos“. Mit solchen Videos kann die Kaufentscheidung eines potenziellen Kunden gefestigt werden. Davon haben nicht nur die bekannten blau-gelben Möbelhäuser profitiert – sie haben so auch nach und nach die Papieranleitung für den Aufbau damit ablösen können.

Baumärkte setzen nicht zuletzt in der Pandemie-Phase auf diese Entwicklung. In Zeiten des Home-Office und der geschlossenen Geschäfte liefern gerade DIY-Videos Umsatzsteigerungen in der Branche. Darin werden oft auch komplexe Anleitungen dargestellt, wie zum Beispiel der Aufbau einer Duschtasse oder dem Verputzen von Wänden. Sofern sich der Konsument des Videos diese Arbeit mithilfe der Videos dann zutraut, ist es wahrscheinlich, dass er die im Video verlinkten Artikel kauft, um ein möglichst ähnliches Ergebnis zu erzielen. Kein Wunder also, wenn auch immer mehr Hersteller auf diese Art der Vermarktung setzen und damit die Nachfrage nach Heimwerkerartikel immer weiter ankurbeln.

Auch in ganz anderen Bereichen werden Videos positiv eingesetzt, nämlich wenn es um die Suche nach neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geht: Was sind die Aufgaben? Wie sieht der Arbeitsplatz aus? Wie sind die Teams organisiert? Und wie ist das kollegiale Umfeld zu bewerten? All das lässt sich potenziellen Bewerbern in einem Video gut vermitteln. Nicht nur auf den etablierten Netzwerken wie YouTube oder Instagram, sondern auch auf TikTok oder in den Story-Funktionen von Facebook und Snapchat lässt sich die Marke „Arbeitgeber“ definiert und freundlich darstellen. Doch vielen Unternehmen ist noch nicht klar, welche Anstrengungen inzwischen im Personal Recruiting benötigt werden, um dabei erfolgreich zu sein.

Digitale Strukturen nach innen aufbauen

Durch die Pandemie haben sich Veränderungen in der Arbeitswelt plötzlich beschleunigt – Menschen arbeiten vom Home-Office aus und Kunden werden per Videokonferenz beraten. In den letzten Jahren hat die Digitalisierung oft nur die Ausrichtung zum Kunden hin gehabt. Dabei wurde dann häufig übersehen, die innere Digitalisierung im gleichen Schritt anzupassen. Damit sind nicht nur digitale Lösungen wie Videokonferenz Systeme gemeint, sondern auch kollaborative Tools zur Zusammenarbeit. Was sonst in einer kurzen Besprechung oder an einer Flip-Chart festgehalten wurde muss nun den Weg in digitale Systeme finden: „Hat das schon jemand gespeichert?“ ist eine häufige Formulierung am Ende von Video-Meetings.

Während die Speicherung von Protokollen eine vergleichsweise einfache Handlung ist und bald in Fleisch und Blut übergeht, bleibt die Frage der Nachverfolgung und Nachbearbeitung offen. Haben alle Team-Mitglieder den Zugriff auf die Notizen und wie können auch Mitarbeiter außerhalb des Teams oder externe Personen, wie z.B. Freiberufler oder Agenturen bei Bedarf an solchen Dokumenten mitarbeiten? Wo sind die Fotos abgespeichert, die für die Werbekampagne gemacht wurden und warum kann die Fotoagentur diese nicht direkt in den Datenplatz ablegen? Warum bekommt der Vertrieb immer noch E-Mails mit der neuen Kampagne von der Marketingabteilung, anstatt sich die benötigten Dateien direkt auf dem Server oder der Cloud ansehen zu können?

Häufig sind interne Strukturen daran orientiert, wie Organisation und Abteilungen eben funktionell zusammenpassen. Nun zieht nicht zuletzt durch das Home-Office eine „digitale Ebene“ in diese Organisation mit ein, die bisher so nie bedacht wurde. Die Software soll sich dann eben dem Menschen anpassen – ist ein häufiges Argument, wenn es im Digitalen mal wieder schiefläuft. Dabei sind solche Anpassungen sehr komplex, nicht nur der Mensch selbst soll dabei berücksichtigt werden, sondern auch sein persönliches Nutzerverhalten. Die IT-Infrastruktur muss sich anpassen und dann wäre da auch noch das Thema Sicherheit. Sollen wirklich alle Daten für das ganze Unternehmen bereitgestellt werden und welche eben nicht?

Eine komplexe Struktur wird in ein noch viel komplexeres System umgebaut und am Ende wird irgendwie alles Gut – klappt nur leider nie. Digitale Strukturen für Unternehmen und deren Mitarbeiter bleiben ein Marathon und kann nicht als Sprint absolviert werden. Tools bieten dabei vielen Lösungen an und können helfen, brauchen aber eine erfahrene Hand bei der Auswahl und Implementierung. Je eher sich Unternehmen dem Thema stellen und hierfür entsprechende Ressourcen bereitstellen, je früher wird eine solide digitale Struktur das Unternehmen wieder mit Kunden und Mitarbeitern verbinden.

Maschinelles Lernen zur Optimierung von Werbeanzeigen

Google macht es mit seinem Anzeigengeschäft (Ads) vor und andere Werbeplattformen werden nachziehen, die Technologie ist längst da. Die Rede ist vom Smart Bidding – einer Analyse des historischen Such- und Nutzerverhaltens in Kombination mit einer Vorhersage über mögliche Interaktionen auf Werbeanzeigen.  Während der erste Teil, die Auswertung des bisherigen Nutzerverhaltens und seiner Interessen, schon seit Jahren genau unter die Lupe genommen wird, kann nun auch eine Vorhersage für zukünftiges Handeln gemacht werden. Ein Beispiel: Wer sich vor Kurzem einige Werbeanzeigen von Automobilherstellern oder Händlern angesehen hat, wird sich vermutlich gerade mit Kauf oder Leasing eines Fahrzeugs beschäftigen. Nun würde der Suchende gemäß seiner Such-Historie immer mehr Werbeanzeigen zum Thema Automobil angezeigt bekommen, obwohl er vielleicht schon im Besitz eines neuen Fahrzeugs ist und das Interesse an solcher Werbung dann wieder sinkt. Die historische Betrachtung würde an dieser Stelle nicht mehr helfen und die Werbeanzeigen würden nicht optimal ausgespielt.

Mehr Liquidität und intelligenteres Arbeiten durch maschinelles Lernen

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Maschinelles lernen  soll nun erkennen, wann ein solcher Prozess abgeschlossen ist und der Werbekunde sich für neue Themen zu interessieren beginnt, weil er z. B. nach den Öffnungszeiten der Zulassungsstelle sucht, um damit das bereits vorhandene Fahrzeug zuzulassen, um beim obigen Beispiel zu bleiben. Aktuell ist dies noch ein sehr komplexes Thema und zunächst werden einfachere Voraussagen getroffen, z. B. wann der Nutzer wieder am selben Ort sein wird, um die lokale Suche darauf einzustimmen.

Wie schwer es die KI hier hat, mussten Anfang 2020 Kunden von Anlegerplattformen erfahren, die mithilfe künstlicher Intelligenz unbeeinflusst vom Faktor Mensch die richtigen Entscheidungen bei der Anlage von Vermögen in Aktien machen wollten. Die Pandemie und den damit verbundenen Kursrückgang an den Weltmärkten konnte kein einziger dieser Robo-Advisor vorhersagen. Wie auch, die historische Datenlage dazu war viel zu gering und eine Voraussage nahezu unmöglich. Als Folge wurden Aktien zu Tiefstpreisen verkauft, um zu retten, was noch zu retten ist.  Als die Börsen nach wenigen Monaten wieder stiegen, wiederholte sich der Fehler der KI noch einmal. Es gab einfach nicht genug Daten um einen Aufschwung voraussehen zu können und bis diese gesammelt waren, hatten sich viele Werte bereits erholt und die Chance zum Wiedereinstieg zu günstigen Kursen war verpasst. Ein erfahrener Anleger hätten hier schneller reagieren können oder die Situation einfach ausgesessen, eine KI handelt aber rational die Datenlage ab und liegt damit auch  daneben.

Dennoch werden es Werbeanzeigen den Werbetreibenden in Zukunft leichter machen, den Nutzer noch besser in Einklang mit der Voraussage über sein zukünftiges Suchverhalten zu bringen und damit Conversion zu steigern.

Social Media Newcomer starten mit Millionen von Nutzern durch

Kaum haben sich Unternehmen auf den großen sozialen Netzwerken wie Facebook und YouTube etabliert, stehen die Newcomer bereits in den Startlöchern um alles zu überrollen oder sich zumindest ein Stück vom Kuchen zu sichern.  Die Rede ist von den „3 T´s“: TikTok, Twitch und Telegram (Den neuesten aber auch vom neuesten Hype „Clubhouse“. Während sich TikTok als Plattform für Kurzvideos bereits im Jahr 2020 etabliert hat, könnte man Twitch, ein Live-Streaming-Portal, fast als Oldie bezeichnen.

Der Start des vor allem bei Gamern beliebten Kanals liegt tatsächlich schon ein Jahrzehnt zurück. Auch die Chat-App Telegram gibt es schon viele Jahre, konkret seit 2013 – doch den großen Zulauf an Nutzern gab es vor wenigen Wochen. Die Problematik mit dem Datenschutz und Veränderungen an den Nutzungsbedingungen des beliebten Chat-Programms WhatsApp brachten viele Menschen zum Umdenken und auch zum Umstieg in Alternativen. Genau so eine Alternative ist auch Clubhouse, die sich entgegen der Masse von Videos und Live-Streams stemmen und nur aus reinen Audio-Kanälen besteht.

Ob Unternehmen hier aufspringen sollen oder auch nicht, kann nicht pauschal gesagt werden. Wichtig bleib aber immer, die Entwicklungen von (Werbe-) Plattformen stets im Blick zu haben und sich gemeinsam mit Expertenmeinungen für oder auch gegen den Unternehmensauftritt eines solchen Newcomers zu entscheiden.

Holger Rohde ist als Geschäftsführer der Business Academy Ruhr verantwortlich für die betriebswirtschaftliche Abwicklung und leitet die Agentur. Als Social Media Experte gibt er sein Wissen häufig in In-House-Schulungen und als Speaker weiter.