Digitale Bildung integrieren: nicht nur in Corona-Zeiten eine gute Lösung

Dr. Marie Huchthausen Marketing und Public Relations (PR), Weiterbildung

Wer in der heutigen Zeit eine digitale Lösung für Arbeitsprozesse hat, ist gut aufgestellt. Das gilt nicht nur für  Unternehmen, die Homeoffice umsetzen, sondern auch für Bildungsanbieter. Präsenz-Unterricht ist bis mindestens zum 19.04.2020 nicht möglich. Was danach passiert, ist unsicher. Das heißt, dass man heutzutage entweder die Möglichkeit nutzt, seine Bildungsangebote digital anzubieten oder darauf wartet, dass Präsenz wieder möglich wird. Allerdings sind digitale Bildung-Angebote nicht nur eine „Not-Lösung“ in Corona-Zeiten, sondern insgesamt eine sehr sinnvolle Ergänzung in der (Erwachsenen-) Bildung.

Online Kurse für neue Zielgruppen

Sich weiterzubilden war seit jeher eine gute Möglichkeit, berufliche Chancen zu verbessern. Bei reinen Präsenz-Angeboten war das jedoch für einige Zielgruppen schon immer schwierig: Menschen, die unregelmäßige Arbeitszeiten haben, wie zum Beispiel im Schicht-Dienst oder im Vertrieb. Für diese Berufsgruppen ist es nicht umzusetzen, dass sie sich zu regelmäßigen Terminen über einen längeren Zeitraum in Weiterbildungen begeben.

Ebenso für Alleinerziehende. Sie können häufig die Betreuung ihrer Kinder nur schwer für längere Zeiträume sicherstellen und melden sich dann nicht für Weiterbildungen an, die dies voraussetzen. Auch Menschen, die im ländlichen Raum leben, sind häufig nicht bereit, lange Anfahrtszeiten für eine Weiterbildung in Kauf zu nehmen. Diese Zielgruppen erreicht man jedoch mit online-Angeboten sehr gut.

Online Bildung zur Einbindung der Praxis

Für mich als Didaktikerin ist der Aspekt der Praxis-Übertragung von neuem Wissen seit jeher ein Thema. Präsenz-Unterrichts-Zeit ist immer knapp und Praxis-Aufgaben schlecht zu planen. Man weiß nie, wie lang eine Gruppe für etwas braucht. Das ist vor allem bei didaktisch nicht geschulten Lehrenden oft ein Problem. Ebenso fehlt es da häufig auch an Ideen, welche Praxis-Methoden existieren und gut passen würden. So verbleiben die meisten bei Unterrichts-Fragen, die dann durch die Antwort von einem oder zwei Teilnehmern „gelöst“ sind.

Wie sinnvoll wäre es jedoch, wenn man sich erst nach dem Präsenz-Unterricht damit beschäftigen könnte, wie man die Inhalte in seinen Arbeits-Alltag übersetzt? Und dann dazu noch eine Rückmeldung erhalten würde. Das ist meines Erachtens der große Mehrwert digitaler Lernlösungen. Denn hier kann man die Praxis-Übertragung sehr gut vom Präsenz-Unterricht entkoppeln.

Das sind nur zwei Gründe, die verdeutlichen, dass digitale Bildungs-Anteile keine Not-Lösung für Krisen-Zeiten sind, sondern sinnvolle Bestandteile des Standard-Bildungsprogramms sein sollten. Wie kann man so etwas langfristig in das eigene Bildungsangebot übertragen?

Digitale Bildungsanteile integrieren

Zentral ist immer die Frage nach einem optimalen Lern-Szenario. Also die Vorstellung davon, wie Lernen so gestaltet werden kann, dass es gut funktioniert.

  • Schritt 1: Gutes Lernen findet immer vorbereitet statt. Wenn wir Präsenz-Unterricht die Bedeutung zumessen, die er eindeutig hat, würden wir schnell auf die Idee kommen, dass die Themen des Präsenz-Unterrichts viel tief greifender erarbeitet werden könnten, wenn Teilnehmer bereits vorbereitet in die Sitzungen gehen würden. Im Rahmen unseres blenden-Lernkonzepts erhalten Teilnehmer bereits vor dem Unterricht einführendes Lernmaterial.
    So können sie vorbereitet in den Unterricht gehen. Sie können Fragen entwickeln, die sie im Unterricht mit dem Dozenten klären können. Ohne eine Vorbereitung verbleibt der Dozent in seiner Rolle des „einführenden Entertainers“. Das ist schade, denn seine Fachkompetenz kommt erst in der Tiefe zur Geltung. Also erst, wenn Teilnehmer Fragen stellen, wenn sei die Inhalte gemeinsam auf Praxis-Fälle übertragen, kann von einem tieferen Verständnis ausgegangen werden.
  • Schritt 2: Prüfen, ob man alles verstanden hat. Wenn der Lernprozess bestmöglich ablaufen soll, dann enthält er eine Möglichkeit, zu erkennen, ob man die wesentlichen Informationen erfasst hat. Das kann auf verschiedenste Arten umgesetzt werden. Im klassischen Präsenz-Szenario ist dieser Part häufig mit Fragen des Dozenten verbunden. Das ist online schwierig eins-zu-ein zu übersetzen.
    Hier bieten sich Tests an. Im Rahmen unserer Weiterbildungen haben die Teilnehmer immer die Möglichkeit, anhand eines kleinen Selbst-Tests zu erkennen, ob sie die wesentlichen Aspekte der Thematik erfasst haben (oder bereits kannten) oder sich mit bestimmten Themen nochmals auseinandersetzen müssen.
  • Schritt 3: Übertragung in die Praxis. In der beruflichen Erwachsenenbildung findet Lernen überwiegend zielgerichtet statt. Es werden Dinge erlernt, die eine Anwendung in der Praxis finden sollen. Die Inhalte sollen also einen Praxisbezug haben. Dies kann man auf zwei Arten erreichen: einmal über Aufgaben, die aus der Praxis kommen oder durch die Übertragung der Inhalte auf ein individuelles Projekt. Im Rahmen unserer Weiterbildung werden beide Aspekte immer online umgesetzt.
    Die Teilnehmer vertiefen die Inhalte immer anhand von Aufgaben aus der Praxis und übersetzen dieses auf ein eigenes Projekt. Das würde im Rahmen von Präsenz-Unterricht allein aus Zeitgründen schon schwer zu integrieren sein. Meines Erachtens ist das jedoch ein essenzieller Bestandteil hochwertiger beruflicher Weiterbildungen.

Digitales Lernen erfährt zwar in Corona-Zeiten an Bedeutung, sollte jedoch nicht als „Alternativ-Lösung“ zur Präsenz gesehen werden, denn damit bleibt es weit hinter seinen Potenzialen zurück. Bildungsträger tun vor allem aus didaktischen Gründen gut daran, ihr Bildungsangebot auf virtuelle Wege auszuweiten. Wenn Sie Unterstützung bei der Entwicklung ihrer digitalen Bildungsausweitung benötigen, sprechen Sie uns gern an. Wir beraten, helfen bei der Umsetzung oder schulen Sie oder Ihr Team.

Dr. Marie Huchthausen beschäftigt sich als Didaktikerin und Erwachsenenbildnerin seit knapp 20 Jahren mit eLearning und digitalem Lernen. Als Geschäftsführerin der Business Academy Ruhr ist sie verantwortlich für den Bildungsbereich und Personal. Sie gibt ihr Wissen rund um das Thema Digitalisierung in zahlreichen In-House-Schulungen und als Speakerin weiter.