Praxis-Portrait: Denny Nordmann (Eilinghoff + Team)

Melanie Schymanietz Marketing und Public Relations (PR)

– ein Interview mit Denny Nordmann (Head of Online Marketing der Werbeagentur Eilinghoff + Team)

Homeoffice

Denny Nordmann (30) im Homeoffice

Mein Name ist Denny Nordmann, 30 Jahre alt und wohne in Salzbergen an der Grenze zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Seit März 2016 arbeite ich nun bei der Werbeagentur Eilinghoff + Team in Rheine. Vor der Einstellung hatte ich gerade mein Studium an der Saxion Universität in Enschede im Studiengang Art & Technology absolviert. Obwohl meine Spezialisierung in der Bachelorarbeit noch auf 3D-Design und Film ausgelegt war, fand ich meine erste Anstellung in der Webentwicklung.

Eilinghoff + Team wird im nächsten Jahr auf eine 50-jährige Firmengeschichte zurückblicken können. Als Full-Service Agentur bieten wir für so ziemlich jede Kundenanfrage eine Lösung. Leistungen, die wir im Haus selbst nicht umsetzen können, werden an Partnerunternehmen vergeben. Dadurch bieten wir ein breites Portfolio an Recruiting, Print und Web Lösungen an. Alleinstellungsmerkmal? Seit über 40 Jahren ist Eilinghoff Deutschlandweiter Experte für Gesundheitskommunikation.

Anlass dieses Interviews ist der Abschluss der Weiterbildung „Online Marketing Manager (IHK)“ in Münster.

 

Lieber Denny, magst du uns erzählen, in welchem Bereich du tätig bist? Seit wann übst du die Tätigkeit aus?

Als ich vor 4 Jahren bei Eilinghoff anfing, wurde das Thema Online-Marketing noch sehr rudimentär in der Agentur behandelt. Man merkte, dass der Fokus noch auf den Print-Bereich gerichtet war.

War ich zunächst noch für die reine Programmierung von Internetauftritten zuständig, baute ich die Kompetenzen der Abteilung mit der Zeit immer mehr aus, bis ich nach knapp 2 Jahren dann für die Leitung der Abteilung zuständig war. Hier erweiterten wir die Leistungen dann um die Erstellung von Anzeigen im Google- sowie im Facebook Netzwerk.
Zu diesem Zeitpunkt jedoch ohne professionelle Grundlage. Die komplette Umsetzung basierte auf den Erfahrungen im Eigenstudium.

Wie sieht dein Arbeitsalltag bei Eilinghoff + Team aus?

Untypisch für eine Werbeagentur beginnt mein Arbeitstag bereits um 7 Uhr und endet um 16:30 Uhr. Zumindest in der Regel. Da wir ein kleines Team sind und ich als Abteilungsleiter über alles einen Überblick haben muss und auch selbst ausarbeiten muss, ist der Arbeitsalltag ziemlich abwechslungsreich. Zu den täglichen Aufgaben gehören Projektkoordinationen, Angebotsschreibungen und Kundentermine zur Akquise oder Projektplanung. Hinzu kommen die typischen Aufgaben eines Web-Entwicklers wie die Programmierung und Pflege von Internetseiten sowie das Anlernen der/des Auszubildenden.

Vorher noch sehr oberflächlich behandelt, gehören nun auch Keyword-Analysen, SEO-Analysen und Wettbewerbsanalysen sowie die Erstellung und Pflege von Social-Media und Google Kampagnen zur täglichen Routine. Man könnte sagen, dass fast das komplette Spektrum des Online-Marketing im täglichen Arbeitsalltags abgedeckt wird.
Klingt nach etwas viel? Ist es auch, aber lieber einen stressigen Arbeitstag der gut rumgeht, als einen bei dem man den Feierabend kaum erwarten kann.

Welches Online-Marketing-Tool möchtest du nicht mehr missen und warum?

Den Google Keyword-Planer! Es ist einfach unfassbar interessant zu sehen, wie das Suchverhalten der Benutzer aussieht. Oftmals findet man Erkenntnisse, über die man überhaupt nicht nachgedacht hat. Ein gutes Beispiel hierzu wäre die Umsetzung eines Kundenprojekts. Hier ging es um die Suchmaschinenoptimierung des Begriffs „Mikronährstoff – Therapie“.

Der Kunde ist von der Leistung überzeugt und möchte diese vermarkten, wunderte sich aber über die wenigen Anfragen auf seiner Seite. Mithilfe des Keyword-Planers konnte man feststellen, dass es hier kaum Suchvolumen gab, also hinterfragten das Thema. Wer sucht nach dem Begriff? In den meisten Fällen Personen, die bereits wissen, was eine Mikronährstoff-Therapie bewirkt. Man musste also die Lösung bereits kennen.

Somit ließen wir uns erklären was für Probleme eine solche Therapie behandelt. Mithilfe des Keyword-Planers konnten wir nun genau die richtigen Keywords finden und so deutlich zielgerichteter optimieren. Wir möchten schließlich nicht die Wettbewerber/Experten ansprechen, sondern möglichen Neukunden ein Produkt anbieten.

Solche Erfahrungen macht man nun in fast jedem Kundenprojekt. Mit den falschen Begriffen ist die Streuung der Besucher viel zu groß. Der Keyword-Planer ist das ideale Tool um diese Streuung in einen Trichter zu führen und so qualitative Besucher zu generieren.

Wie kam es dazu, dass du dich für die Weiterbildung zum Online Marketing Manager (IHK) entschieden hast?

Auf der einen Seite störte mich die laienhafte Umsetzung unseres Online Angebots. Alles basierte auf dem Eigenstudium und man wusste nie, ob man wirklich das richtige macht. Auf der anderen Seite möchte ich nicht ewig in der Web-Entwicklung arbeiten. Bereits jetzt gibt es 14-Jährige „Stubenhocker“ (Entschuldigt Jungs und Mädels) die mehr Zeit und tiefere Fähigkeiten haben als ich. Man kann noch so gut versuchen stets auf dem aktuellsten Stand zu bleiben, der Arbeitsalltag wird einem selten die Chance geben. Da haben jüngere einfach einen Vorteil. Daher befürchte ich, dass der Tag kommen wird, an dem ein Praktikant mir erst mal zeigen wird, wo der Hase lang läuft.

Das Feld das Online-Marketing beruht viel mehr auf Erfahrungen und Erkenntnissen die man im Laufe der Zeit gemacht hat. Für das hohe Alter vermutlich das sinnvollere Arbeitsumfeld. Zudem macht mir die Arbeit in diesem Bereich einfach viel mehr Spaß und man kann jeden Tag etwas Neues lernen. Der Kontakt zu Menschen/Kunden ist ein ganz anderer und man bekommt Einblicke in Unternehmen und Arbeitsprozesse die (meistens) einfach nur faszinierend sind.

Als Fazit warum es mich zu dieser Weiterbildung bewogen hat: Das Verlangen sich weiterzuentwickeln und die eigene Karriere in eine andere, vielversprechende Richtung zu lenken.

Was hat dir die Weiterbildung gebracht? Wie setzt du das Wissen in der Praxis ein/ um?

Vieles dessen, was ich bereits im Eigenstudium gelernt hatte, hat sich als richtig herausgestellt. Die Weiterbildung hat mir jedoch die richtigen Tools und Workflows an die Hand gegeben, um nun das Gefühl zu haben, dieses auch professionell umzusetzen zu können.

Die Empfehlung für eine Suchmaschinenoptimierung basiert nun nicht mehr auf einem „Gefühl“, sondern kann nun auch technisch untermauert werden. Dasselbe gilt für die Erstellung und Betreuung von Social-Media und Google Kampagnen. Klar hat man es hinbekommen einen Beitrag zu bewerben, aber was man da gemacht hat, war genauso sinnvoll wie einer Hummel zu erklären, dass Sie nach Gesetzen der Aerodynamik nicht fliegen könne.

Das erworbene Wissen wird nun dazu eingesetzt zielgerichteten Content zur Google-Platzierung zu erstellen und nicht einfach nur eine hübsche Internetseite zu erstellen. Zudem wird der Besucherfluss durch Werbekampagnen positiv beeinflusst und dem Kunden mithilfe sinnvoller Reportings ein Leitfaden an die Hand gelegt.

Was hat mir die Weiterbildung gebracht? Das Gefühl zu haben, zu wissen, was ich da mache. So banal das klingt, das ist viel wert. Der erste Schritt auf dem neuen Karriereweg liegt hinter mir.

Welchen Online-Marketing-Tipp kannst du mit uns teilen?

Welchen Online-Marketing-Tipp kann ich mit euch teilen? Dafür könnte es noch zu früh sein, schließlich muss ich noch ein paar mal auf die Nase fallen um zu sehen, worüber ich überhaupt gestolpert bin.

Ein grundlegender Tipp wäre aber: „Höre nicht auf den Kunden.“ Der lebt in seiner Welt und arbeitet alltäglich mit seinen Begriffen und Leistungen. Natürlich kennt der sich in seiner Welt aus. Im Bereich des Online-Marketing ist es jedoch unsere Aufgabe jemand neuen in seine Welt einzuführen. Oftmals laufen Kunde und Besucher jahrelang aneinander vorbei ohne je aufeinander zu treffen. Woran kann das liegen? Wenn wir die Antwort auf diese Frage kennen, wird es uns möglich sein, zielgerichtete Online-Werbung zu erstellen.

Als kleines, zugegeben banales, Beispiel: Unser Kunde hat einen Stand auf dem Wochenmarkt und brüllt den Leuten sein Angebot zu. „Heute Pangasius im Angebot!“. 8 von 10 potenziellen Kunden reagieren nicht auf den Marktschreier, verlassen den Wochenmarkt und gehen enttäuscht nach Hause. Sie hatten Fisch gesucht. Den hatte so aber niemand angeboten.

Mein Tipp wäre somit also: Lerne deinen Kunden kennen und finde heraus, was er anbietet. Im nächsten Schritt solltest du herausfinden wonach der Kunde sucht. Auf Basis dieser Schnittmenge entwickelst du nun deine Online-Marketing-Strategie.

Welche Tipps gibst du jungen Menschen, die sich für deinen Arbeitsbereich interessieren?

Such dir einen anderen Arbeitsbereich, du wärst nur potenzielle Konkurrenz! Nein, Spaß beiseite. Wenn man sich für den Arbeitsbereich interessiert, sollte man viel Disziplin zum Eigenstudium vorweisen können. Ohne dieses wird man nicht lange mit schwimmen können, dafür ist der Bereich leider zu schnelllebig. Dafür wird man aber auch nur selten das Gefühl haben jeden Tag dieselbe Arbeit ausführen zu müssen. Der Aufwand wird also tagtäglich belohnt.

Achja, und gewöhne dich schon mal daran, viele englische Artikel und Fachberichte zu lesen. Vielleicht nutzt du die derzeitige Corona-Phase schon mal um dir ein paar Englischsprachige Serien und Filme reinzuziehen. Viel Erfolg!

Danke Denny! 🙂 

Melanie Schymanietz ist Erziehungswissenschaftlerin B.A., Online Marketing Managerin (IHK) und Social Media Managerin (IHK). Für die Business Academy Ruhr arbeitet sie im eLearning-Bereich und ist dort vor allem für die Verwaltung und Qualitätssicherung der Kurse zuständig. Zudem coacht Sie die Kursteilnehmer und begleitet sie auf ihrem Weg zur eigenen Strategie. Daneben leitet Melanie das Social Media Team der Business Academy Ruhr.