Social Media im Sportverein - Startlinie

Social Media Strategie im Sportverein

Holger Rohde Social Media Management

Social Media Marketing ist nicht nur für große Firmen und umsatzorientierte Unternehmen interessant. Auch gemeinnützige Gruppen, wie ein Sportverein können davon profitieren. So kann die Öffentlichkeitsarbeit via Social Media nicht nur die Bekanntheit steigern, sondern auch für Sponsoren sorgen, um den Vereinsbetrieb aufrechtzuerhalten.

Pressewart war gestern

Viele Sportvereine haben eine lange Tradition und sind durch Abteilungen und Gruppen sehr gut organisiert. Schon immer war den Vereinen die Öffentlichkeitsarbeit sehr wichtig, galt es doch stets für neue Mitglieder und freiwillige Helfer zu sorgen oder um Sponsoren zu werben. Ein Pressewart oder eine Pressewartin übernahm bisher die Aufgabe, die örtlichen Zeitungen zu informieren oder selbst Artikel zu veröffentlichen. Doch immer seltener genügt dies den heutigen Anforderungen und viele neue Möglichkeiten in der Kommunikation bleiben dann ungenutzt.

So gut sich ein Verein auch organisiert, die Anforderungen sind oft vielfältig und es gilt zunächst die wichtigen Ziele herauszufinden. Der Vorstand möchte endlich eine „moderne“ Homepage und meint damit vielleicht einen Blog, die Jugendabteilung fordert schon lange, endlich Instagram zu nutzen. GruppenleiterInnen organisieren sich in WhatsApp-Gruppen, die den Vorstand aber nicht erreichen. Spätestens jetzt übersteigt es die Anforderungen an die bisherige klassische Öffentlichkeitsarbeit und neue Konzepte und Strategien müssen her.

Zielgruppe(n) für den Sportverein

Zunächst mag man an neue Mitglieder denken und dies ist für viele Sportvereine auch wichtiger denn je. Doch wer ist hier die Zielgruppe? Das neue Mitglied selbst oder sind es bei den jüngeren eher die Eltern? Ebenso werden oft auch ÜbungsleiterInnen und TrainerInnen gesucht und neue Sponsoren sollen erreicht werden. Dies können örtliche Unternehmen sein aber auch Fördermittelgeber und Verbände. Somit sind direkt mehrere Zielgruppen zu berücksichtigen und für jede muss die Strategie angepasst sein. Keine kleine und leichte Aufgabe, für die es einen Plan braucht.

Gerade bei mehreren großen Zielgruppen braucht es eine zielgerichtete Kommunikation, die oft über verschiedene Kanäle realisiert wird. Kann ich für Kindergruppen die Eltern noch gut über eine gute Homepage oder eine Facebook-Seite ansprechen, erreiche ich jugendliche SportlerInnen besser über Instagram oder sogar bei TikTok. Neue Sponsoren kann ich per Newsletter und aktuellen Blogbeiträgen überzeugen und ein internes Forum oder eine Facebook-Gruppe kann die leidliche Kommunikation über WhatsApp ersetzen.

Aufgaben gut verteilen

Häufig wird eine neue Kommunikationsstrategie im Sportverein nur zäh und langwierig umgesetzt, weil viel zu viele Aufgaben nur an einer Person festgemacht werden. Ist diese auch noch im Ehrenamt tätig und soll alles Zentral organisieren, dauert die Umsetzung ewig lang und schnell macht sich Frust breit. Viel geschickter ist es, verschiedene Aufgaben durchaus von einer zentralen Position oder einem Vorstandsmitglied aus zu übernehmen, dann aber auf verschieden Abteilungen und Personen zu verteilen.

Der Jugendvorstand, der sich schon immer Instagram gewünscht hat, darf dies nur selbstverwaltend umsetzten. Die Pressestelle veröffentlicht die Artikel nun direkt in Blog und Newsletter, während die Abteilungen gemeinschaftlich den Content für die Facebook-Seite umsetzen. Die einzelnen Sport-Gruppen organisieren sich in passenden Facebook-Gruppen ein oder gründen ein übergreifendes Forum für alle Mitglieder. Wie auch immer die neue Struktur dabei aussehen mag, stets sollte in kurzen Abständen die Zielerreichung geprüft und bei Problemen auch reagiert werden.

Wettkämpfe und Sportfeste verteilen sich oft über das ganze Jahr und sollten schon frühzeitig in der Berichterstattung erfasst werden. Auch die Vorbereitungen dazu sind oft schon ein produktiver Content und viele interne Zettel lassen sich sparen, wenn die Abläufe und die Startreihenfolge eines Wettkampfes im Vorfeld als Content für alle Beteiligten zur Verfügung gestellt wird.

Wichtig: Fotos und Bildrechte

Vor allem bei Kindergruppen sind Fotos in Beiträgen durchaus problematisch. Entweder sind direkt nur Gruppenfotos mit einem Weitwinkelobjektiv und viel Abstand möglich, damit einzelne Personen nicht mehr erkennbar sind oder es muss im Vorfeld eine Vereinbarung zu den Fotorechten getroffen werden. Muster halten die jeweiligen Verbände bereit. Anders als bei Erwachsenen, die ihre Erlaubnis zur Veröffentlichung selbst erteilen können, ist bei Kinder- und Jugendlichen die Freigabe durch beide (!) Erziehungsberechtigte erforderlich. (s. Landesbeauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit & Rechtsanwalts-Blog)

Hintergrund: Während zum Beispiel die Mutter der Veröffentlichung zustimmt, könnte der Vater ganz anderer Ansicht sein und die Freigabe auch im Nachgang noch verweigern. Dann darf dieses Foto nicht verwendet werden. Unabhängig von der rechtlichen Situation sollte auch immer geklärt werden, wer die Fotos auf einem Event anfertigt und wie diese im Anschluss in die Redaktion gelangen. Auf Cloud-Dienste müssen dann alle Beteiligten einen Zugriff bekommen, denn der Versand per Mail oder gar WhatsApp wird bei mehreren Bildern schnell unproduktiv und führt zu Qualitätsverlust.

Fazit

Social Media in einem typischen Sportverein zu etablieren ist kein einfaches Unterfangen. Dazu gehört Planung, Einsatz und oft mehr als nur eine einzelne Person. Doch es zahlt sich schnell aus, sowohl für den Verein, als auch für die einzelnen Mitglieder. Es empfiehlt sich erst mal mit einem Kanal klein anzufangen, um dann nach und nach mehr Social Media Auftritte aufzubauen und sich selbst ein kleines System zu schaffen.

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Holger Rohde ist als Geschäftsführer der Business Academy Ruhr verantwortlich für die betriebswirtschaftliche Abwicklung und leitet die Agentur. Als Social Media Experte gibt er sein Wissen häufig in In-House-Schulungen und als Speaker weiter.