Was sagt uns der Klout-Wert wirklich?

Dr. Marie Huchthausen Social Media Marketing

Beispielhafter Verlauf des Klout-Wert

Beispielhafter Verlauf des Klout-Wert (eigener Screenshot)

Wenn sich ein neues Berufsbild, wie das des Social Media Managers etabliert, stellt sich immer die Frage, welche Kompetenzen jemand mitbringen sollte, um in diesem Bereich tätig zu sein. Neben einer formalen Ausbildung, wird der Klout-Wert gern als Maßstab für Social Media Kompetenzen herangezogen. Ist das ein Maßstab?

Ich muss gestehen, dass ich mich in ein neues Feld wage: Ich komme aus der Pädagogik, habe zwar seit mehr als 10 Jahren mit eLearning zu tun, aber mit Social Media beschäftige ich mich erst seit knapp 1,5 Jahren. Stimmt das eigentlich? Nein, natürlich nicht, denn ich nutze viele Social Media Tools schon seit langer Zeit. Die 1,5 beziehe ich auf ein tieferes Eindringen in das Thema, nicht zu letzt durch meine Weiterbildung zum Social Media Manager (IHK). Verglichen mit der Community, bin ich aber natürlich noch ein “Frischling”, der ab und an noch unbeholfen herumtapst, ausprobiert und hier und da auch mal einen Fehler macht … und sich öfter mal wundert.

Der Klout-Wert bringt mich zum Beispiel immer wieder zum Nachdenken. Ist das wirklich ein guter Maßstab für Social Media Expertise? Was sagt er aus? Er misst, mal ganz banal beschrieben, meine Aktivität auf verschiedenen Plattformen. Hier sind wir jedoch schon beim zentralen Kritikpunkt. Facebook, Instagram, Google+, YouTube, Pinterest, LinkedIn, WordPress.com – fast alle wichtigen Social-Media-Plattformen lassen sich bei Klout verknüpfen und fließen in das Klout-Ranking ein. Was insbesondere für die DACH-Region allerdings fehlt, ist Xing.

Braucht Social Media den Klout-Wert?

Doch was sagt dieser Klout-Wert wirklich aus? Ich finde er ist ein nettes Spielzeug, das mir vielleicht etwas darüber aussagt, wie viel Zeit jemand auf einigen Social Media Plattformen verbringen wird, um all seine Postings zu machen, aber über die Qualität der Social Media Arbeit sagt der Klout-Wert herzlich wenig.

Mögen mich alle Klout-Gläubigen nun lynchen, aber ich glaube, dass ein Tool, das überwiegend quantitativ ausgerichtet ist, niemals etwas über die Qualität sagen kann. Ein Social Media Manager ist für mich ein Experte in seinem Feld, der gezielt und begründet seine Tools auswählt und seine Expertise darzustellen weiß. Bei einem Einstellungsgespräch würde ich daher abraten, nur den Klout-Wert anzuschauen. Ich würde mir zum Beispiel immer den Blog der Bewerber anschauen. Zum einen wie dieser gestaltet ist, aber auch welche Art Content dort produziert wird. Ich würde mir eine Social Media Kampagne von den Kandidaten erbitten, wenn sie noch keine gestaltet haben, dann sollten sie zumindest eine planen können. Ich würde nachfragen, mit welchen Zielen welche Tools genutzt werden. Das sagt mir mehr über die Social Media Expertise als ein Klout-Wert.

Dr. Marie Huchthausen beschäftigt sich als Didaktikerin und Erwachsenenbildnerin seit knapp 20 Jahren mit eLearning und digitalem Lernen. Als Geschäftsführerin der Business Academy Ruhr ist sie verantwortlich für den Bildungsbereich und Personal. Sie gibt ihr Wissen rund um das Thema Digitalisierung in zahlreichen In-House-Schulungen und als Speakerin weiter.