Social Media ist kein Allheilmittel fürs Recruiting

Der Fachkräftemangel ist heute in zahlreichen Branchen angekommen: sei es die Gastronomie- oder Pflege-Branche, aber genauso fehlt es auch in vielen IT-Segmenten an Fachpersonal. Recruiting über Social-Media-Kanäle scheint da das Allheilmittel. Man eröffnet einen Instagram-Account, postet da „schnell mal“ seine Stellenanzeigen und wundert sich, dass nichts passiert.

Fachkräftemangel in vielen Branchen

Während die Pflege-Branche schon lange über den Fachkräftemangel klagt, ist dieser mittlerweile auch in anderen Segmenten angekommen. Die Gastronomie spürt es spätestens seit den Corona bedingten Schließungen, dass Personal nur noch schwer zu bekommen ist und selbst so „hippe“ Bereiche wie Agenturen merken, dass die Bewerbungsberge immer dünner werden. 

„Heutzutage kann man froh sein, dass überhaupt noch Bewerbungen kommen.“,  so die Aussage zahlreicher Personaler, die wir im Rahmen einer Weiterbildung, die wir an der IHK Nord Westfalen als Dozenten begleiten. Die einen setzen ihre Auswahl-Kriterien deutlich runter und klagen über die Schwierigkeiten, ein Team aufzubauen. Andere versuchen ihre Stellenanzeigen breiter zu streuen.

Wie ist es denn mit Social Media? Man hört doch, dass die jungen Leute da immer surfen, würde es nicht Sinn machen, die Stellenanzeigen dort zu posten?

Social Media als Allheilmittel?

Grafik zwei Frauen bauen eine Social Media Seite aus

Auf einmal wird der bisher spärlich genutzte Instagram-Account spannend. Was man lange Zeit für ein notwendiges Übel hielt und den Kanal nur bespielte, weil es ja „hipp“ ist und es irgendwie alle tun, rückt er auf einmal in den Fokus. Es erscheint so einfach: man postet seine Stellenausschreibungen dort und hofft auf den großen Bewerber*innen-Ansturm. Bleiben diese aus, ist man in seiner Meinung bestätigt, dass Social Media ja überbewertet wird.

Ganz so einfach ist es aber nicht. Hat man die Spielregeln der sozialen Netzwerke nicht verstanden, muss man sich auch über den ausbleibenden Erfolg nicht wundern. Richtig angewendet, können sie jedoch Aufmerksamkeit erzeugen und die erhofften Bewerbungen steigern. Allerdings ist es ein Trugschluss zu glauben, dass man seine Social-Media-Kanäle nur zum Posten von Werbung und Stellenanzeigen nutzen kann.

Social-Media-Kanäle als Bestandteil des Employer Brandings

Social-Media-Kanäle sind Kommunikationskanäle, die überwiegend zu Unterhaltungszwecken genutzt werden. Kaum jemand nutzt Facebook und Instagram, um sich dort über neue Produkte zu informieren. Es geht um „schnellen Konsum“ und Aufmerksamkeit. Wer es im digitalen Dschungel schafft, Aufmerksamkeit zu erzeugen, hat gewonnen. Nun stellt sich die Frage, was man als Unternehmen denn posten kann.

Social Media bietet den Unternehmen die Möglichkeit, sich als Arbeitgebermarke zu positionieren. Was aber ist man als „Arbeitgebermarke“? Das ist ja ein recht abstrakter Begriff. Letztlich geht es darum, einen Innenblick zu ermöglichen. Zu zeigen, wer man als Unternehmen ist, was einen ausmacht, wie man zusammenarbeitet. Folgende Fragen können als Orientierung dienen:

Grafik Mann und Frau arbeiten auf ein Ziel hin

Unternehmensphilosophie

Worauf legt man als Unternehmen besonderen Wert?

➝ Hohe Qualität der Produkte?

➝ Umweltaspekte?

➝ Zusammenhalt im Team? 

Content: Grafik drei Personen unterhalten sich

Angebote für Mitarbeiter

Was bietet man seinen Mitarbeiter*innen?

➝ Gutes Gehalt?

➝ Flexible Arbeitszeiten?

➝ Mitgestaltungsmöglichkeiten?

➝ Obst, Kaffee?

Grafik drei Personen unterhalten sich durch webbasierte Kommunikationskanäle

Kollegialität

Wie arbeitet man zusammen?

➝ Einzelbüros oder Großraum?

➝ Homeoffice?

➝ Flache Hierarchien?

Überlegen Sie, welche Aspekte Sie als Unternehmen ausmachen. Häufig sind es weiche Kriterien wie „Zusammenhalt im Team“, ein „gutes Betriebsklima“ etc. Dinge, die sich schwer in Worten, aber gut in Bildern festhalten lassen. Seien es die Zeremonien, die man zu Geburtstagen im Team veranstaltet oder gemeinsame Mittagspausen. Oder das Post-It, dass man einer Kollegin schreibt, um sie zu motivieren. Jeder Einzelfall klingt banal, alle zusammengenommen machen Sie jedoch als Unternehmen aus. 

Und das ist es, was man über Social-Media-Kommunikation darstellen kann, denn in langen Texten wird es schwer, softe Kriterien zu beschreiben. Sie wirken auch nicht authentisch. Fotos und Videos sind da deutlich geeigneter, Momente einzufangen, die Sie als Arbeitgeber(-Marke) ausmachen. Und schon wird deutlich, was gemeint ist, wenn man sagt, dass Social-Media Kommunikation zum Aufbau des Employer Brandings genutzt werden kann.

Wenn es gelingt, sich als Unternehmen darzustellen – einen Innenblick zu ermöglichen- dann darf man auch damit rechnen, dass das Menschen interessiert, denn es bietet einen Mehrwert. Und diese Menschen werden dann zu Followern, zur Unternehmens-Community. Und hat man eine Community aufgebaut, dann sieht die Community auch, dass man eine Stellenanzeige postet und teilt es.

 

Wie in vielen anderen Bereichen auch, zahlt sich eine langfristige Arbeit am Ende aus. Geduld und Fleiß sind gefordert. Solche digitalen Kommunikation-Strategien zum Aufbau des Employer Brandings erfordern einen langen Atem. Es zahlt sich jedoch spätestens dann aus, wenn man merkt, dass man zu denen gehört, deren Stellenanzeigen nicht unbemerkt bleiben und die Bewerber*innen gut informiert sind und ins Unternehmen passen. Das ist weder eine leichte, noch eine kurzfristige Aufgabe, sondern eine Investition in die (Unternehmens-) Zukunft.

 

Wer sich inhaltlich in diesem Bereich fit machen möchte, der findet bei uns die passende Weiterbildung zum „Digitalen Personalmanager“.

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