Tinder Verifizierung: Vergleichbar mit dem blauen Haken von Instagram?

Holger Rohde Marketing und Public Relations (PR), Social Media Management

Brauchen Apps wie Tinder wirklich eine Verifizierung, die Vergleichbar mit dem blauen Haken von Instagram ist? Definitiv! Denn Fake-Profile sind in den sozialen Netzwerken inzwischen so häufig wie Fake-News. Mit nur wenigen Klicks, ein paar falschen Daten und einem geklauten Profilbild kann es direkt losgehen und kaum ein Nutzer kann später zwischen echten und falschen Profilen unterscheiden. Manche Fake-Profile outen sich zwar schnell als Spam, viele führen aber auch ein jahrelanges Schattendasein und finden damit leichtgläubige Opfer im Netz.

Dieses Problem kennen natürlich auch die Betreiber von den verschiedensten Sozialen Netzwerken und versuchen mit unterschiedlichen Methoden, für mehr Sicherheit und für weniger Fakes zu sorgen. Die Ansätze dabei sind durchaus unterschiedlich, steigende Nutzerzahlen sind schließlich die Währung eines Social Networks und keiner möchte neue Nutzer mit komplizierten Verfahren verprellen. Wir haben uns zum Vergleich die Bestätigung der Echtheit von Nutzerprofilen einmal im Vergleich von Instagram und Tinder angeschaut und verglichen. Beide Apps gehören zu den beliebtesten in ihrem Genre und beide haben den „blauen Haken“ als sichtbares Zeichen für mehr Authentizität wohl bewusst gewählt.

Zunächst der Ablauf zur Profilbestätigung bei Tinder:

  1. Zwei Hände bedienen ein Smartphone, auf dem Instagram zu sehen ist. Die Person übt sich an der Nutzung von Instagram für Unternehmen.Tinder-App öffnen und ins Profil einloggen
  2. Den grauen Haken im Profil anklicken
  3. Nun wird der Verifizierungsprozess erklärt und muss bestätigt werden
  4. Es folgt eine weitere Bestätigung über die Nutzung der verwendeten Fotos
  5. Nun zeigt euch Tinder einen Gesichtsausdruck an, den ihr als Selfie nachstellen müsst (z. B. eine herausgestreckte Zunge)
  6. Dieses wiederholt sich noch weitere Male mit anderen Beispielen, bis alle Selfies hochgeladen wurden
  7. Abschließend prüft und vergleicht Tinder die Darstellungen der Selfies mit dem originalen Profilfoto und bestätigt eurer Profil

Diese zunächst etwas merkwürdig anmutende Methode mit Vergleichsselfies ergibt durchaus Sinn, denn wer mit einem Profilbild einer anderen Person als Fake unterwegs ist, wird kaum verschieden Motive mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken besitzen. Falls doch, soll der Algorithmus erkennen, ob der Gesichtsausdruck mit dem Muster übereinstimmt.

Einen formellen Weg zur Profilbestätigung hat Instagram gewählt:

  1. Zunächst muss das Profil einer natürlichen Person oder auch eines Unternehmens entsprechen
  2. Alle Profilangaben müssen vorhanden, nachvollziehbar und überprüfbar sein
  3. Der Antrag selbst wird über die App-Einstellung im Konto über „Verifizierung beantragen“ gestellt
  4. Ein amtliches Dokument (z. B. Personalausweiskopie) bei Personen oder einem anderen Nachweis bei Unternehmen muss bereitgestellt werden
  5. Alternative Nachweise wie Webseiten, Presseartikel oder die Mitgliedschaft in bestimmten Organisationen ist Unternehmen vorbehalten
  6. Die eingereichten Unterlagen und Nachweise werden manuell überprüft und im Anschluss wird das Profil bestätigt oder auch abgelehnt
  7. Im Fall einer Ablehnung besteht nach 30 Tagen eine neue Möglichkeit, den Antrag mit neuen Nachweisen oder Angaben erneut prüfen zu lassen

Hier setzt Instagram ganz auf die klassischen Methoden einer Prüfung von Ausweisdokumenten, Geschäftsunterlagen oder nachweisbaren anderen digitalen Profilen. Eine persönliche Prüfung ist hierbei vorgesehen und kann einige Tage dauern, wobei dies beim Thema Sicherheit wohl zu verschmerzen ist.

Fazit: Digital oder formell, welche Methode scheint sicherer?

In diesem Beispiel geht Tinder den einfachen und schnellen Weg, nur mit einigen Selfies die Authentizität eines Nutzers überprüfen zu wollen.  Ein Bilderkennungs-Algorithmus lässt sich aber auch leicht manipulieren, schon unter Geschwistern lassen sich Handys problemlos über die Gesichtserkennung gegenseitig entsperren. Möglicherweise kann man auch eine fremde Person zu Selfies in verschiedenen Posen überreden oder im Netz ganze Serienaufnahmen von einer Person finden und damit die Prüfung überlisten.
Die langsamere aber wohl auch gründlichere Variante hat Instagram mit seinem klassischen Weg gewählt. Auch wenn sich Dokumente in rein digitaler Form leicht manipulieren lassen, so findet in der Regel noch ein Abgleich über eine weitere Informationsquelle statt. Aber auch diese Quelle wird vorher angegeben und kann natürlich ein Fake sein.

Übrigens ist der „blaue Haken“ zur Profilbestätigung schon längst selbst ein Geschäftsmodell geworden und es finden sich „Berater“ im Markt,  die eine zu 100% sichere Methode zur Verifizierung mit Geld-zurück-Garantie anbieten.  Hoffen wir, alle jene arbeiten seriös und nutzen keine Lücken aus um ein Fake-Profile in bestätigte Profile umwandeln zu lassen und damit die Grauzone zu vergrößern.

Holger Rohde ist als Geschäftsführer der Business Academy Ruhr verantwortlich für die betriebswirtschaftliche Abwicklung und leitet die Agentur. Als Social Media Experte gibt er sein Wissen häufig in In-House-Schulungen und als Speaker weiter.