Weiterbildungen: Unterschied Zertifikat, zertifiziert und Teilnahmenachweis

Eine Weiterbildung zu absolvieren, hat immer etwas mit einem Mehraufwand zu tun. Man muss Zeit und Mühe investieren. Absolut berechtigt, dass man sich das auch mit einem Abschlussnachweis bestätigen lassen möchte. Nun stellt sich jedoch die Frage, wodurch sich Abschlüsse unterscheiden. Wann man von einem Zertifikat spricht, wann von einem Teilnahmenachweis und wann ist man zertifiziert? Dies soll im nachfolgenden Beitrag geklärt werden.

Teilnahmenachweis Zertifikat zertifiziert

Eine Aufgabe, die wir als Bildungsanbieter gern wahrnehmen, ist die Beratung von Bildungsinteressierten. Häufig rufen sie mit Fragen zu den Lehrgängen an. Eine dieser häufigen Fragen ist die nach dem Abschluss, denn vielen ist nicht klar, worin sich die einzelnen Abschlüsse im Bereich der beruflichen Bildung unterscheiden. Ich beziehe mich bei der Aufschlüsselung auf die gebräuchlichen Abschlüsse im Bereich der standardisierten beruflichen Weiterbildung.

Diese gelten vor allem für die Weiterbildungen, die wir mit unseren Kooperationspartnern (IHK) umsetzen. An den Hochschulen befinden wir uns im Bereich der akademischen Bildung, hier werden andere Abschlussnachweise als in der beruflichen Bildung verliehen. Auch im (deutschsprachigen) Ausland haben die deutschen Bezeichnungen für den Bildungsabschluss möglicherweise andere Rahmenbedingungen, Hintergründe und Einsätze.

Welche Abschlüsse existieren in der beruflichen Weiterbildung?

Zunächst einmal ist es wichtig, zu unterscheiden, in welchem Bereich der beruflichen Bildung wir uns befinden. Handelt es sich um die Erstbildung, dann sprechen wir von der Berufsausbildung und diese ist in Deutschland im Rahmen der dualen Ausbildung standardisiert. Dann existiert natürlich noch die berufliche Aufstiegsqualifizierung. Hier hat man bereits einen Beruf gelernt und möchte auf diesem aufbauen. Dies ist im Rahmen des Handwerks mit dem Meister oder im Bereich der Fachwirtequalifizierung in der betrieblichen Bildung möglich. Und nun kommen wir zu dem Bildungsbereich, in dem die Business Academy Ruhr veortet ist: die berufliche Weiterbildung in Form von Lehrgängen. Diese sind meist deutlich kürzer als die Fachwirtequalifizierungen und hoch spezifiziert. Hier unterscheiden wir zwei verschiedene Abschlüsse: die Teilnahmenachweise und die Zertifikate.

Das Zertifikat

Das Zertifikat ist der qualifizierte Abschluss einer beruflichen Weiterbildung. Qualifiziert heißt: man muss zum Ende der Weiterbildung zeigen, dass man etwas gelernt hat. Klassisch in Form einer Abschlussprüfung. Dies kann – ganz klassisch – ein Test sein, eine mündliche Prüfung, eine Klausur oder so wie wir es umsetzen: eine schriftlich eingereichte Arbeit. Nachdem wir zunächst auch mit Abschlusstests gearbeitet haben, ist schnell klar geworden, dass in diesen Tests häufig nur auswendig Gelerntes abgefragt wird. Im Rahmen unserer Weiterbildungen geht es aber um viel mehr: es geht darum, Praxis-Umsetzungen zu planen und die Inhalte der Kurse auf das eigene Beispiel herunterzubrechen. Dazu verfassen die Teilnehmer unserer Kurse die sog. Facharbeit. Hier werden sie in wenigen Kapiteln Schritt-für-Schritt angeleitet, die Inhalte des Unterrichts auf das eigene Unternehmen und die damit verbundenen spezifischen Rahmenbedingungen und Ziele herunterzubrechen. Diese Facharbeit wird während des Kurses geschrieben, von Coaches begleitet und am letzten Tag des Kurses präsentiert und von Prüfern bewertet.

Der Teilnahmenachweis

Während man für ein Zertifikat bestimmte Voraussetzungen erfüllen muss (in den meisten IHK 80% Anwesenheit im Kurs) und zum Ende der Weiterbildung darstellen muss, was man gelernt hat, bescheinigt der Teilnahmenachweis lediglich, dass man an einem Kurs teilgenommen hat. Ähnlich dem früheren “Sitzschein” an den Hochschulen. Diese Art des Abschlusses wird häufig bei sehr kurzen Weiterbildungen (Tagesworkshops) ausgewiesen, da es bei solchen Weiterbildungen schwierig wäre, das erlangte Wissen sofort zu prüfen. In den Kursen, die wir gemeinsam mit den Kammern umsetzen, erhält man einen Teilnahmenachweis, wenn man die Voraussetzungen zum Zertifikat (Anwesenheit nicht erreicht, keine Facharbeit abgegeben, nicht präsentiert) nicht erfüllt hat.

Zertifiziert

Zum Ende dann noch der leidige Begriff: zertifiziert. Hier steht meist die Frage dahinter: darf ich mich nach einer Weiterbildung mit IHK-Zertifikat als “zertifiziert” bezeichnen. Klare Antwort: nein! Zertifiziert bedeutet, dass etwas von jemand externem nach bestimmten Kriterien bewertet wurde und so einen gewissen Standard erfüllt. Das ist im Rahmen von Weiterbildungen zum Beispiel die DIN-Norm ISO 9001. Nach dieser Norm werden Träger zertifiziert, die sich dann für öffentliche Ausschreibungen bewerben. Auch Weiterbildungen können so “zertifiziert” werden. Zum Beispiel Studiengänge, im Rahmen von Akkreditierungen. Das sind sehr langwierige, aufwändige Verfahren und hier geht es nicht um einen Abschluss, sondern um Abläufe im Rahmen einer Organisation. Heißt: ein Träger darf sich als zertifiziert bezeichnen, eine gesamte Weiterbildung ebenfalls, aber nicht jemand, der ein Zertifikat erhalten hat.

Fazit

Das hört sich kompliziert an! Ist es aber gar nicht. Man kann sich merken: Ein Teilnahmenachweis zeigt lediglich, dass ich bei einer Weiterbildung “körperlich anwesend” war, ein Zertifikat weist eine Bewertung einer Leistung aus (hier muss ich also gezeigt haben, dass ich etwas gelernt habe) und “zertifiziert” hat nichts mit meiner beruflichen Qualifikation zu tun, sondern mit dem Grad an Standardisierung, mit dem ein Bildungsträger arbeitet.

Haben Sie Fragen zu einem unserer Abschlüsse oder möchten es genauer wissen? Wir beraten Sie gern!